»Es muss alles sprudeln wie Champagner«
Als Sängerdarsteller*innen standen sie bereits häufig gemeinsam auf der Bühne, Christa Mayer und Georg Zeppenfeld. Diesmal treffen sie als Schauspielerin Clairon und Theaterdirektor La Roche im mondänen Salon der Gräfin Madeleine in der Neuproduktion von Richard Strauss’ letzter Oper »Capriccio« aufeinander.
Die Hälfte der Probenzeit für »Capriccio« ist bereits vorbei. Für Christa Mayer und Georg Zeppenfeld hat sich mittlerweile eingestellt, was der Titel verheißt: Spiel und Gesang verbinden sich mit perlender Leichtigkeit, der Streit um die Vorherrschaft von Wort oder Ton kann mit Spaß und Leidenschaft geführt werden.
Während für Christa Mayer die Partie der Schauspielerin Clairon ein echtes Debüt darstellt, hat Georg Zeppenfeld die Partie des Theaterdirektors La Roche bereits gesungen. Er genießt es aber, nun erstmals sechs ganze szenische Probenwochen zu haben, um die Partie und vor allem auch die vielfältigen Reaktionen der Spielpartner in aller Tiefe zu erarbeiten.
Das Uraufführungsjahr von »Capriccio« 1942 gibt zu denken: Welche Bedeutung kann Kunst beziehungsweise Oper in finsteren Zeiten haben? Ist diese Oper Ausdruck von Weltflucht oder vielmehr ein Zeichen nicht nur von sehr viel Selbstironie der Verfasser und vor allem auch ein Bekenntnis zur Kunst als Rettungsanker in einer verlorenen Welt?
Ohne Frage nimmt die Kunst im Leben von Christa Mayer und Georg Zeppenfeld eine zentrale Rolle ein. Und ihre Bedeutung als eine Schule der Reflektion, der Differenzierung und Ernsthaftigkeit ist für beide zentral und unabdingbar.
Die Figur des La Roche ist für Georg Zeppenfeld eine durchaus ambivalente: Als Theaterunternehmer spielt er sehr gekonnt mit den Machtverhältnissen und macht sich diese auch zu Nutze. Als Regisseur und Zeitkünstler kämpft er für die Relevanz der Kunst.
Dass in »Capriccio« explizit sexuelles Begehren und Übergriffigkeit thematisiert wird, erdet zum einen den theorielastigen Diskurs um die Künste – und schlägt einen Bogen zu aktuellen Diskussionen auch im Kulturbetrieb.
Welche Stoffe würden sich Christa Mayer und Georg Zeppenfeld für zeitgenössische Opern wünschen? Hier sind sich beide einig, dass Uraufführungen und neue Kompositionen wichtig sind, präferieren aber in der Stoffwahl tendenziell zeitenthobene, archaische Stoffe. Die Überzeitlichkeit der Oper in den Stoffen, die Aktualität im musikalischen Ausdruck sei es, was die Stärkt des Musiktheaters ausmache.
Und wie halten sie es mit der Präferenz bei Wort oder Ton? Anhand des vertonten Sonetts in »Capriccio« führt Christa Mayer aus, dass für sie als Sängerin im Wettstreit der Ton den Sieg davontrage. Für Georg Zeppenfeld liegt der Fall nicht so klar. In der Verschmelzung von Wort und Ton, wenn Text musikalische Ausdrucksqualität gewinnt, liegt für ihn die Essenz.
Das Gespräch fand am 26. April 2021 statt.
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